Freigrenze bei Krypto in Deutschland erklärt
Freigrenze bei Krypto in Deutschland erklärt
GEOGLE | Viele Anleger in Deutschland heben erleichtert ab, wenn sie hören, dass Krypto-Gewinne unter bestimmten Umständen steuerfrei sind. Während die berühmte Einjahresfrist für Langfrist-Investoren gut bekannt ist, gibt es eine weitere wichtige Regelung für kurzfristige Gewinne: die Freigrenze. Sie bietet eine willkommene Entlastung, birgt aber auch Tücken, die man kennen muss.
Die Freigrenze von 1.000 Euro ist ein Puffer, der besonders für Einsteiger und kleine Trader interessant ist. Doch die Berechnung ist nicht immer so intuitiv, wie sie auf den ersten Blick wirkt. Wer sie falsch anwendet, riskiert eine unangenehme Überraschung bei der Steuererklärung. Wir klären auf, wie diese Grenze genau funktioniert und worauf Sie achten müssen.
Die 1000-Euro-Freigrenze: Die Grundlagen
Im deutschen Einkommensteuergesetz ist geregelt, dass Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften steuerpflichtig sind. Für Kryptowährungen gilt dies jedoch nur, wenn die Gewinnsumme im Kalenderjahr einen bestimmten Betrag überschreitet. Diese Schwelle liegt bei 1.000 Euro.
Das bedeutet: Wenn Ihre Gewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen innerhalb eines Jahres unter 1.000 Euro liegen, müssen Sie darauf keine Steuern zahlen. Sobald Sie diese Grenze auch nur um einen Cent überschreiten, wird der Gewinn voll besteuert. Es handelt sich also um eine echte Freigrenze und nicht um einen Freibetrag.
Diese Regelung gilt ausschließlich für Veräußerungsgeschäfte, die innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr stattfinden. Gewinne aus Verkäufen nach einem Jahr sind ohnehin steuerfrei, wie wir in unserem Artikel Bitcoin steuerfrei nach 1 Jahr in Deutschland detailliert beschreiben. Die Freigrenze ist der "Rettungsanker" für alle, die früher verkaufen müssen oder wollen.
Das Wichtigste Prinzip: Alles oder Nichts
Der häufigste Fehler bei der Anwendung der Freigrenze ist das Missverständnis der sogenannten Pauschierung. Viele Anleger glauben fälschlicherweise, dass die ersten 1.000 Euro des Gewinns steuerfrei sind und nur der Rest besteuert wird. Das ist in Deutschland falsch.
Die Regel funktioniert nach dem "Alles-oder-Nichts"-Prinzip. Beträgt Ihr Jahresgewinn 950 Euro, zahlen Sie 0 Euro Steuer. Beträgt Ihr Gewinn 1.050 Euro, müssen Sie Steuern auf die gesamten 1.050 Euro zahlen. Die Grenze ist eine Hürde: Entweder Sie nehmen sie komplett oder Sie scheitern daran.
Dieser Mechanismus kann dazu führen, dass man bei knappem Überschreiten der Grenze einen extrem hohen effektiven Steuersatz auf den marginalen Gewinn hat. Strategisches Handeln ist hier also gefragt. Bevor Sie einen Trade tätigen, sollten Sie prüfen, ob dieser Sie über die Grenze heben könnte.
Was zählt eigentlich zum Gewinn?
Um zu ermitteln, ob Sie die Freigrenze überschreiten, müssen Sie Ihren Gewinn korrekt berechnen. Entscheidend ist nicht der Verkaufspreis (Erlös), sondern der tatsächliche Gewinn. Die Formel lautet: Verkaufspreis minus Anschaffungskosten minus Verkaufskosten.
Wenn Sie Bitcoin für 5.000 Euro gekauft und für 5.800 Euro verkauft haben, beträgt Ihr Gewinn 800 Euro. Dieser Betrag wird auf die 1.000-Euro-Grenze angerechnet. Transaktionsgebühren der Börse oder Gebühren für den Auszahlung auf das Bankkonto können als Verkaufskosten vom Gewinn abgezogen werden. Das senkt den steuerrelevanten Betrag.
Es ist daher wichtig, nicht nur die Erlöse zu summieren, sondern eine genaue Gewinn- und Verlustrechnung für das Jahr aufzustellen. Wenn Sie sich fragen, ob Sie Ihre Gewinne überhaupt melden müssen, hilft unser Artikel Muss man Krypto Gewinne in Deutschland versteuern? weiter.
Verlustverrechnung bei der Freigrenze
Nicht jeder Trade endet im grünen Bereich. Was passiert mit Verlusten? Auch hier gibt es eine wichtige Besonderheit im Zusammenhang mit der Freigrenze. Verluste können Gewinne mindern, allerdings nur innerhalb der selben Einkunftsart.
Beispiel: Sie haben 1.500 Euro Gewinn mit Bitcoin gemacht, aber 600 Euro Verlust mit Ethereum. Ihr rechnerischer Gewinn beträgt also 900 Euro. Da dieser Betrag unter der Freigrenze von 1.000 Euro liegt, zahlen Sie keine Steuern. Ohne die Verluste hätten Sie 500 Euro Steuer auf den vollen 1.500 Euro Gewinn zahlen müssen.
Verluste sind also extrem wertvoll, um unter die Freigrenze zu rutschen. Sollten die Verluste höher sein als die Gewinne (also ein negatives Gesamtergebnis), können diese Verluste in diesem Jahr unfortunately nicht steuerlich geltend gemacht werden, da kein steuerpflichtiges Einkommen aus diesen Geschäften vorliegt. Das Verlustvortrag auf Folgejahre ist bei privaten Veräußerungsgeschäften in Deutschland stark eingeschränkt.
Die Freigrenze gilt für die Gesamtsituation
Ein weiterer Irrtum ist, dass die Freigrenze für jede einzelne Kryptowährung gilt. So ist es nicht. Das Finanzamt betrachtet Ihre gesamte Krypto-Activity im Jahr. Gewinne aus Bitcoin-Verkäufen werden addiert zu Gewinnen aus Ethereum-, Ripple- oder Solana-Verkäufen.
Sie müssen also nicht für jeden Coin einzeln prüfen, ob die 1.000 Euro überschritten wurden. Es ist eine Summenbildung aller privaten Veräußerungsgeschäfte mit Kryptowährungen (und anderen Wirtschaftsgütern) des laufenden Kalenderjahres. Das macht die Buchhaltung etwas komplexer, bietet aber auch Chancen durch die oben genannte Verlustverrechnung zwischen verschiedenen Assets.
Wenn Sie auf verschiedenen Börsen handeln, müssen Sie die Daten zusammenführen. Achten Sie darauf, dass Sie sichere Anbieter nutzen. Ob Ist Binance in Deutschland legal ist, spielt für die Steuer zwar keine direkte Rolle, aber die Verfügabilität der Daten für Ihre Berechnung schon.
Abgrenzung zu anderen Einkünften
Die 1.000-Euro-Freigrenze bezieht sich auf Spekulationsgewinne. Es gibt jedoch auch andere steuerliche Aspekte im Krypto-Bereich, die andere Regeln haben. Erträge aus Mining, Staking oder Lending werden oft nicht als Spekulationsgewinne, sondern als Einkünfte aus sonstigen Leistungen oder aus Vermietung und Verpachtung eingeordnet.
Für diese Einkunftsarten gibt es den allgemeinen Werbungskostenpauschbetrag von 1.000 Euro. Das ist etwas anderes als die hier besprochene Freigrenze. Wer auch passives Einkommen generiert, muss diese zwei Beträge nicht verwechseln. Für eine Übersicht über alle Mechanismen empfiehlt sich unser Leitfaden Wie funktioniert die Krypto Steuer in Deutschland?.
Strategische Überlegungen für Trader
Wenn Sie merken, dass Sie sich der 1.000-Euro-Grenze nähern, kann es steuerlich sinnvoll sein, Verkaufe in das nächste Jahr zu schieben. Da das Finanzjahr am 31. Dezember endet, können Sie durch Geduld oft eine Steuerschuld komplett vermeiden.
Auch das "HODLn" über den Jahreswechsel hinweg ist eine gängige Strategie. Wenn Sie Ihre Coins erst nach dem 1. Januar verkaufen, beginnt für die Steuerberechnung ein neues Jahr. Die Freigrenze steht dann wieder neu zur Verfügung. Wer einen Krypto Sparplan in Deutschland – So funktioniert es nutzt, sollte ebenfalls beachten, dass Verkäufe aus diesem Bestand die Freigrenze aufzehren können.
FAQ
Fazit
Die Freigrenze bei Krypto in Deutschland ist ein hilfreiches Instrument für Kleinanleger und gelegentliche Trader. Sie ermöglicht es, kleinere Gewinne ohne bürokratischen Aufwand und Abgaben zu realisieren. Doch Vorsicht ist geboten: Das Alles-oder-Nichts-Prinzip erfordert eine genaue Kalkulation.
Wer seine Gewinne und Verluste nicht sorgfältig dokumentiert, geht unnötig Risiko. Nutzen Sie die Freigrenze strategisch, aber vergessen Sie nicht, dass die langfristige Haltung (über 1 Jahr) die nachhaltigste Steueroptimierung ist. Mehr dazu erfahren Sie in unserem umfassenden Krypto Steuer Deutschland – Kompletter Leitfaden.
Hinweis: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Steuerberatung dar. Wenden Sie sich bei steuerlichen Fragen bitte an einen qualifizierten Steuerberater.